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Die Turmhügelburg zu Weiherhaus
(Burgstall Weißensee)

Wolfgang Schippke
Mitglied im Fränkischen Schweiz Verein


Unweit des Ansitzes Weiherhaus befindet sich zwischen den Nürnberger Ortsteilen Weiherhaus im Osten und Reichelsdorfer Keller, nördlich der Sauerbruch Straße mitten im Waldgebiet ein mittelalterlicher Turmhügel, der anscheinend im Flur-Bereich des Ansitzes Weiherhaus liegt.

Der Turmhügel, die Motte, ist im Mittel 3,50 Meter hoch und weist einen Durchmesser in N-S-Richtung von 12,50 Meter und in E-W-Richtung von 13,8 Meter auf. Der Graben der die Motte umgibt schwankt zwischen 8 und 11 Meter. Die Speisung des Wassergrabens wurde von nördlich gelegenen Fischweihern übernommen. Etwas weiter südwestlich, ca. 200 Meter, gibt es eine zweite Motte, die nur noch in Ansätzen zu erkennen, das Grabensystem im Südlichen Teil aber noch gut sichtbar ist. Hierbei könnte es sich um eine Art Vorburg gehandelt haben.(Karte die beim Besuch im Juni 2003 angefertigt wurde)

Schon lange wird über den Sinn einer Burg in diesem Gebiet  philosophiert. Weder gab es hier eine Alt- oder Geleitstraße, noch eine Heeresstraße oder einen Völkerweg. Ob die Anlage dem Schutz der Fischweiher diente muß man eher bestreiten.

Auch die Geschichte berichtet nur wenig über diese Burganlage. Alleine auf Grund des Aussehens kann man auf eine Errichtung in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts schließen.  Als die Kette der Wischweiher 1430 vergrößert wurde und der Burgstall in diese Weiherlandschaft eingebunden wurde, war die Burg bereits eine "alt prochen Schloß".

Auch scheint die Motte nur aus Erdreich des Grabensystems aufgeschüttet worden zu sein, so daß eine aus Steinen errichtete Kemenate oder Turmburg hier sicherlich nicht gestanden hat. Eher wird es sich hier um eine hölzerne Wehranlage gehandelt haben, die in den darauf folgenden Jahrhunderten verrottet ist und so das gänzliche Fehlen von Quadersteinen erklärt.

In mittelbarer Umgebung befand sich das Kloster Pillenreuth  (Pillenreuth ist ein Ortsteil, der sich im Nordosten von Weiherhaus befindet. Hier gibt es noch den Straßennamen "Am Klösterle") und es wurde verschiedentlich darauf hingewiesen, daß die Turmhügelburg dem Schutz des Klosters diente. Dies kann man aber auf Grund der Zeitlichen Abfolge eher verneinen. Das Kloster wurde 1345 von Konrad Groß gegründet und die Burg bestand zu dieser Zeit bereits seit mindestens 200 Jahren, wenn man von einer möglicher Errichtung zwischen 1120 und 1150 ausgeht.

Auf Grund eben dieses nicht vorhandenen Schutzes ersuchte der Rat der Stadt Nürnberg 1392 das Kloster am Standort aufzugeben und "sich hinter die sicheren Mauern der Reichsstadt zu begeben".

Es gibt Urkunden von 1290 die ein "castrum" oder "castellum  de gesezze" nennen. Hier vermutete aber bereits Mummenhoff, daß mit Gesäß eine Burg gemeint ist, die an Stelle des Klosters Pillenreuth stand. Im Zuge von Restaurierungsarbeiten zwischen 1985 und 1987 wurden unter den Grundmauern des klösterlichen Verwaltungshofes Fundamente aus unregelmäßigen Basaltsteinen freigelegt. 1302 wurde Chunrad Stör de Bilnrevt als hier begütert beurkundet und so kann man eine Turmburg oder Wasserburg dieses Störs an Stelle des Klosters vermuten, nicht aber diese Turmburg . Auch wurde vermutet, daß "castellum sive munitio" diese Anlage meint, aber hier wurde eine bedeutend größere Anlage des 13/14 Jahrhunderts gemeint (Hier gab es noch einen weiteren  Burgstall am Weißensee der ev. hier gemeint sein könnte. Wo dieser Burgstall lag ist unbekannt.)

Eine Urkunde von 1345 benennt ein "befestigt Haus, genannt Brüder im Wald neben den Weihern" ("castellum sive munitio et curia in nemore iuxta piscinas" hieraus geht aber nur eine ungefähre Position ...bei den Fischweihern... hervor.) (Urkunde vom 24 Juli 1345).

Den einzigen konkreten Hinweis auf eine Burg an dieser Stelle findet man in der Ortsgeschichte von Worzelsdorf:

"...Kaiser Wenzel (König von Böhmen) verbrachte 1388 drei fröhliche Tage mit einer Jagdgesellschaft im sogenannten Burgstall (westlich von Weiherhaus jenseits des Europakanals auf Worzeldorfer Grund) . Der Burgstall war eine kleine Holzburg, die zur Bewachung der Straße Nürnberg - Katzwang - Schwabach diente. Beim Fischfang und Jagen wollte sich der König erholen. Die Reparaturen, die nach dem dreitägigen kaiserlichen Aufenthalt an den Weiheranlagen erforderlich waren, beliefen sich auf 55 Gulden. Die Nürnberger Rechnung darüber an den Kaiser ist bis heute noch nicht bezahlt..."
(Quelle: [Bosch, 2003: Punkt 7])
Das Aussehen dieser Burg muß man sich wie folgt vorstellen. Da auf Grund des nur aufgeschütteten Erdreiches keine aus Steinen errichtete Burg hier stehen konnte, wird es wohl eine Holzkonstruktion eines Wehrturmes gewesen sein, dessen Unterbau möglicherweise mit Steinen verfüllt war.

Die einfachste Art die Turmhügelburg, bzw. deren Reste zu besuchen ist nach Reichelsdorfer Keller und hier in der Straße Am Weißensee bis zur Appelstraße zu fahren. Hier kann man das Auto auf einem Parkplatz abstellen. Von hier muß man zur Fuß in Richtung Osten auf einem nicht näher bezeichneten Wanderweg bis zum Burgstall gehen, der nur etwa  150 Meter von den letzten Häusern entfernt liegt (Photos des Burgstalles)

Zu sehen ist der sehr tiefe und breite Graben, die zentrale aufgeschüttete Motte, sowie die Reste der früheren Fischteiche, die in der Zwischenzeit ausgetrocknet wurden. Wenn hier Wandert muß man auf die teilweise schwer zu erkennenden Ränder der einstigen Seen achten - Sturzgefahr.

Quellen:
Boesch, T.; "Herrensitz Weiherhaus" (1990)
Boesch, T.; "Zur Geschichte des Vogtberges, westlich von Weiherhaus gelegen" (1998)
Bosch, H.; "Persönlichkeiten zur Worzeldorfer Geschichte", (2003)
Schippke, W.; "Besichtigungsbericht des Burgstalles Weiherhaus" (2003)